Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste in Kürze
- Erster Nachweis in Deutschland: Oktober 2005, Freiburg im Breisgau.
- NABU-Meldeaktion 2022: rund 16.000 Meldungen in fünf Wochen, Nachweise in fast allen Bundesländern.
- Schwerpunkte: Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz. In Mecklenburg-Vorpommern nur Einzelfunde.
- Lebt in Mitteleuropa fast ausschließlich in und an Gebäuden; keine Meldepflicht.
Verbreitung in Deutschland
Der erste veröffentlichte Nachweis von Zoropsis spinimana in Deutschland stammt vom Oktober 2005 aus einer Wohnung in Freiburg im Breisgau; 2006 folgte ein Fund im benachbarten Hartheim. Die Autoren der Erstmeldung vermuteten damals bereits eine Ausbreitung entlang der Verkehrswege von Süden nach Norden.
Wie weit die Art inzwischen gekommen ist, zeigte eine bundesweite Meldeaktion von NABU|naturgucker vom 30. August bis 3. Oktober 2022. In nur fünf Wochen gingen 15.997 Beobachtungen ein, davon 8.905 mit Belegfoto. Die Auswertung, 2024 in der Fachzeitschrift Frontiers in Arachnid Science veröffentlicht, ergab ein rund 2,3-mal größeres besiedeltes Gebiet als im bisherigen Verbreitungsatlas verzeichnet.
Bundesländer im Überblick
| Bundesland | Meldungen 2022 | Einordnung |
|---|---|---|
| Baden-Württemberg | 9.599 | weit verbreitet, Ausgangsregion der Besiedlung |
| Nordrhein-Westfalen | 2.402 | verbreitet, v. a. Rhein- und Ruhrgebiet |
| Hessen | 1.916 | verbreitet |
| Rheinland-Pfalz | 1.463 | verbreitet, v. a. Rheintal |
| Bayern | 274 | regional, u. a. Großraum München |
| Bremen | 147 | städtisches Vorkommen |
| Saarland | 52 | regional |
| Hamburg | 41 | erste Nachweise im Rahmen der Aktion |
| Berlin | 39 | städtisches Vorkommen |
| Thüringen | 30 | erste Nachweise im Rahmen der Aktion |
| Sachsen-Anhalt | 21 | vereinzelt |
| Sachsen | 12 | vereinzelt |
| Niedersachsen, Brandenburg | wenige | Einzelnachweise |
| Schleswig-Holstein | – | im Aktionszeitraum keine Meldung |
| Mecklenburg-Vorpommern | 1 | nur verschleppte Einzeltiere (2022; Rügen 2023) |
Der NABU fasst zusammen, dass die Nosferatu-Spinne „inzwischen in fast ganz Deutschland“ vorkommt. Historisch lagen die Schwerpunkte im Süden und Westen, besonders entlang von Rhein, Neckar und Ruhr. Im Schwarzwald und auf der Schwäbischen Alb wurde sie bis in Höhen über 1.000 m gefunden.
Als Ausbreitungsweg sehen die Forschenden vor allem den Menschen: Spinnen und Kokons reisen unbemerkt in Autos, Fahrrädern, Gepäck und Paketen mit. Dokumentiert sind etwa ein Transport von Basel nach Niedersachsen (2020) und von Stuttgart nach Kühlungsborn an der Ostsee (2022).
Österreich, Schweiz und Europa
Ursprünglich lebt die Art im westlichen Mittelmeerraum und in Nordafrika. Nördlich der Alpen wurde sie zuerst in der Schweiz nachgewiesen (Basel 1994). Heute ist sie dort in vielen Städten der Alpennordseite verbreitet, etwa in Basel, Zürich, Bern, Luzern, Genf und Lausanne.
In Österreich gelang der erste sichere Nachweis im Oktober 1997 in Innsbruck; 1998 wurde die Art als neue Adventivart für Österreich beschrieben. Schwerpunkte sind heute die Räume Wien und Graz, mit Einzelfunden in weiteren Bundesländern.
Weitere eingeschleppte Vorkommen gibt es in Großbritannien, den Benelux-Staaten und in Kalifornien (Bucht von San Francisco, seit den 1990er-Jahren). 2023 wurde ein Tier in Kopenhagen gefunden.
Lebensraum

Im Mittelmeerraum lebt die Nosferatu-Spinne auch im Freien: unter Steinen und Rinde, in Mauerritzen, an Waldrändern und in Gärten. In Mitteleuropa ist sie dagegen stark an Gebäude gebunden. Beheizte Räume ermöglichen ihr eine Fortpflanzung über das ganze Jahr; Funde im Freien betreffen meist Hauswände, Gartenhäuser oder Nistkästen in Hausnähe.
Typische Verstecke im Haus
- Spalten hinter Schränken, Regalen und Bilderrahmen
- Rollladenkästen, Fensterlaibungen und Fensterbänke
- Keller, Heizungsräume, Garagen und Gartenhäuser
- Kartons, Stapel mit Zeitungen oder Wäsche, die länger nicht bewegt wurden
Saison und Aktivität
In Gebäuden findet man erwachsene und halbwüchsige Tiere das ganze Jahr; auch Eikokons wurden fast ganzjährig beobachtet. Auffällig häufig werden Nosferatu-Spinnen aber im Spätsommer und Herbst gesehen: Dann sind viele Tiere erwachsen, und die Männchen laufen auf Partnersuche umher. Paarungen wurden von August bis November beobachtet.
Die Art ist nachtaktiv. Die meisten Meldungen der NABU-Aktion erfolgten zwischen 20 und 23 Uhr – wenn die Spinnen an hellen Wänden auffallen.
Nosferatu-Spinne melden
Eine Meldepflicht besteht nicht. Die Art steht weder auf der EU-Liste invasiver gebietsfremder Arten, noch gilt sie als Schädling. Freiwillige Meldungen mit Foto sind für die Forschung aber wertvoll, weil sie zeigen, wie sich die Art weiter ausbreitet.
- Foto machenMöglichst scharf und von oben, sodass Vorderkörper und Beine erkennbar sind. Die Spinne dazu nicht anfassen – ein Glas darüber genügt.
- Fundort und Datum notierenOrt oder Adresse, Datum, ob drinnen oder draußen.
- Meldung abgebenBeim NABU unter nabu-naturgucker.de/app/nosferatu oder auf iNaturalist bzw. observation.org.
Häufige Fragen
Gibt es die Nosferatu-Spinne in ganz Deutschland?
Fast. Eine NABU-Meldeaktion 2022 ergab Nachweise in nahezu allen Bundesländern, mit Schwerpunkt im Südwesten. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es nur Einzelfunde von verschleppten Tieren.
Gibt es die Nosferatu-Spinne in Österreich und der Schweiz?
Ja. In der Schweiz ist sie nördlich der Alpen seit den 1990er-Jahren bekannt (Basel 1994) und heute in vielen Städten verbreitet. In Österreich gelang der erste Nachweis 1997 in Innsbruck; Schwerpunkte sind heute die Räume Wien und Graz.
Wo versteckt sich die Nosferatu-Spinne im Haus?
Tagsüber in dunklen, ruhigen Spalten: hinter Schränken und Bildern, in Rollladenkästen, Fensterlaibungen, Kellern, Garagen und Gartenhäusern. Nachts wird sie aktiv und fällt dann an hellen Wänden auf.
Wohin melde ich eine Nosferatu-Spinne?
Am einfachsten über das NABU-Portal nabu-naturgucker.de/app/nosferatu oder über iNaturalist bzw. observation.org. Wichtig sind ein scharfes Foto von oben, Fundort und Datum.
Weiterlesen
Quellen
- Wirth, A. & Schulemann-Maier, G. (2024): Updated distribution of Zoropsis spinimana (Dufour, 1820; Araneae: Zoropsidae) in Germany and novel insights into its ecology based on a citizen science survey. Frontiers in Arachnid Science 3: 1383339. doi.org/10.3389/frchs.2024.1383339
- NABU (2022): Nosferatu-Spinne fast überall verbreitet. nabu.de/news/2022/09/nosferatu.html
- Hänggi, A. & Bolzern, A. (2006): Zoropsis spinimana (Araneae: Zoropsidae) neu für Deutschland. Arachnologische Mitteilungen 32: 8–10. doi.org/10.5431/aramit3202
- Thaler, K. & Knoflach, B. (1998): Zoropsis spinimana (Dufour), eine für Österreich neue Adventivart (Araneae, Zoropsidae). Berichte des naturwissenschaftlich-medizinischen Vereins in Innsbruck 85: 173–185. zobodat.at (PDF)
- NABU|naturgucker: Meldeportal Nosferatu-Spinne. nabu-naturgucker.de/app/nosferatu