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Spinnen ohne Netz

Spinnen ohne Netz: Jagdspinnen in Deutschland

Nicht jede Spinne baut ein Fangnetz. Welche Gruppen frei jagen, wie Sie die Nosferatu-Spinne von Wolfsspinnen und anderen Verwechslungsarten unterscheiden.

Inhaltsverzeichnis
  1. Warum manche Spinnen kein Netz bauen
  2. Spinnen ohne Netz in Deutschland
  3. Nosferatu-Spinne oder Wolfsspinne?
  4. Große Spinnen ohne Netz im Haus
  5. Wer jagt die Jäger?
  6. Häufige Fragen
  7. Weiterlesen
  8. Quellen

Das Wichtigste in Kürze

  • Viele Spinnen bauen kein Fangnetz, sondern jagen aktiv oder lauern ihrer Beute auf.
  • In Deutschland gehören dazu u. a. Wolfs-, Spring-, Krabben-, Raub-, Sack- und Plattbauchspinnen, der Dornfinger und die Nosferatu-Spinne.
  • Große netzlose Spinnen im Haus sind meist Nosferatu-Spinnen oder umherlaufende Winkelspinnen-Männchen.
  • Alle heimischen Jagdspinnen sind für Menschen ungefährlich.

Warum manche Spinnen kein Netz bauen

Ein Fangnetz ist nur eine von mehreren Jagdstrategien. Viele Spinnenfamilien setzen stattdessen auf gute Augen, schnelle Beine und kräftige Kieferklauen. Sie laufen ihrer Beute hinterher, springen sie an oder warten regungslos, bis ein Insekt in Reichweite kommt. Spinnseide nutzen auch sie – für Sicherungsfäden, Wohngespinste, Häutungsverstecke und Eikokons.

Spinnen ohne Netz in Deutschland

GruppeBeispielErkennungsmerkmaleWo
Kräuseljagdspinnen (Zoropsidae)Nosferatu-Spinnegesichtsartige Zeichnung auf dem Vorderkörper, geringelte BeineGebäude
Wolfsspinnen (Lycosidae)Pardosa, Trochosa, Alopecosazwei große hintere Augen; Weibchen trägt Kokon an den Spinnwarzen, später Jungtiere auf dem RückenBoden, Wiesen, Ufer
Springspinnen (Salticidae)Zebraspringspinneklein (3–10 mm), zwei riesige Frontaugen, springtsonnige Hauswände, Zäune
Krabbenspinnen (Thomisidae)Veränderliche Krabbenspinneseitwärts gerichtete, krabbenartige Beine; lauert auf BlütenBlüten, Pflanzen
Raubspinnen (Pisauridae)Listspinne, Gerandete Jagdspinneschlank, lange Beine; Weibchen tragen Kokon in den KieferklauenWiesen, Gewässerufer
Dornfingerspinnen (Cheiracanthiidae)Ammen-Dornfingerorange-gelb, dunkle Kieferklauen; baut Brutgespinst in Grasrispenhohe Wiesen
Sackspinnen (Clubionidae)Clubionaeinfarbig, nachtaktiv, tagsüber in gerollten BlätternSträucher, Hauswände
Plattbauchspinnen (Gnaphosidae)Drassodesdunkel, flach, zylindrische Spinnwarzenunter Steinen, Kellern
Speispinnen (Scytodidae)Gewöhnliche Speispinnegewölbter, gefleckter Vorderkörper; fängt Beute mit Klebfäden aus den KieferklauenWohnungen

Nosferatu-Spinne oder Wolfsspinne?

Die Nosferatu-Spinne wird im Englischen auch „false wolf spider“ genannt – sie sieht Wolfsspinnen ähnlich, gehört aber zu einer anderen Familie. Diese Merkmale helfen bei der Unterscheidung:

MerkmalNosferatu-SpinneWolfsspinneGroße Winkelspinne
Vorderkörperhell mit dunkler, gesichtsartiger Zeichnungoft dunkel mit hellen Längsbändernbraun mit dunklen Seitenbändern
Augen8 kleine Augen in zwei Reihen2 auffallend große hintere Mittelaugen, reflektieren im Lampenlicht8 kleine Augen
Beinekräftig, deutlich geringeltkräftig, oft geringeltsehr lang, dicht behaart
NetzkeinskeinsDeckennetz mit Wohnröhre
Kokonwird im Versteck bewachtwird an den Spinnwarzen getragenim Netz befestigt
Glatte Flächenläuft an Glas hochkaumkaum (sitzt oft in Badewannen fest)
Typischer FundortWohnungen, Keller, nachts an Wändenim Freien am BodenKeller, Wohnungen, im Herbst umherlaufend

Faustregel

Eine große Spinne ohne Netz, die nachts an der Wohnzimmerwand oder am Fenster sitzt und eine helle, dunkel gezeichnete „Maske“ auf dem Vorderkörper trägt, ist in Deutschland sehr wahrscheinlich eine Nosferatu-Spinne. Wolfsspinnen kommen nur ausnahmsweise ins Haus.

Große Spinnen ohne Netz im Haus

Im Herbst häufen sich Begegnungen mit großen, frei umherlaufenden Spinnen. Meist handelt es sich um:

  • Winkelspinnen-Männchen (Eratigena, Tegenaria), die ihr Netz verlassen haben und Weibchen suchen. Sie haben auffallend lange, behaarte Beine.
  • Nosferatu-Spinnen, die nachts jagen und dank Haftbüscheln auch an glatten Wänden und Fenstern laufen. Zu den Bestimmungsmerkmalen

Beide sind für Menschen harmlos. Wer sie nicht im Haus haben möchte, setzt sie mit Glas und Karton nach draußen. So geht es sicher

Wer jagt die Jäger?

Auch netzlose Spinnen haben Fressfeinde. Besonders spezialisiert sind die Wegwespen (Pompilidae), die oft als „Spinnentöter“ bezeichnet werden: Sie lähmen Spinnen mit einem Stich und tragen sie als Nahrung für ihren Nachwuchs in ein Erdnest. Daneben fressen Vögel, Spitzmäuse, Eidechsen und andere Spinnen Jagdspinnen – die Nosferatu-Spinne selbst erbeutet regelmäßig andere Spinnen.

Häufige Fragen

Welche Spinnen in Deutschland bauen kein Netz?

Unter anderem Wolfsspinnen, Springspinnen, Krabbenspinnen, Sack- und Dornfingerspinnen, Plattbauchspinnen, Raub- und Jagdspinnen – und die Nosferatu-Spinne. Sie jagen aktiv oder lauern ihrer Beute auf.

Was ist eine „falsche Wolfsspinne“?

So nennt man im Englischen („false wolf spider“) die Familie Zoropsidae, zu der die Nosferatu-Spinne gehört. Sie sehen Wolfsspinnen ähnlich, sind aber nicht näher mit ihnen verwandt als andere Jagdspinnen.

Ist eine große Spinne ohne Netz im Haus gefährlich?

In Deutschland nicht. Große netzlose Spinnen im Haus sind meist Nosferatu-Spinnen oder umherlaufende Winkelspinnen-Männchen. Beide sind für Menschen ungefährlich.

Weiterlesen

Quellen

  1. Wikipedia: Nosferatu-Spinne. de.wikipedia.org/wiki/Nosferatu-Spinne (Überblick mit weiterführender Literatur)
  2. NABU (2022): Nosferatu-Spinne fast überall verbreitet. nabu.de/news/2022/09/nosferatu.html
  3. Justus-Liebig-Universität Gießen (2025): Die Spinne mit dem Bienengift – Giftanalyse des Ammen-Dornfingers. uni-giessen.de