Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste in Kürze
- Viele Spinnen bauen kein Fangnetz, sondern jagen aktiv oder lauern ihrer Beute auf.
- In Deutschland gehören dazu u. a. Wolfs-, Spring-, Krabben-, Raub-, Sack- und Plattbauchspinnen, der Dornfinger und die Nosferatu-Spinne.
- Große netzlose Spinnen im Haus sind meist Nosferatu-Spinnen oder umherlaufende Winkelspinnen-Männchen.
- Alle heimischen Jagdspinnen sind für Menschen ungefährlich.
Warum manche Spinnen kein Netz bauen
Ein Fangnetz ist nur eine von mehreren Jagdstrategien. Viele Spinnenfamilien setzen stattdessen auf gute Augen, schnelle Beine und kräftige Kieferklauen. Sie laufen ihrer Beute hinterher, springen sie an oder warten regungslos, bis ein Insekt in Reichweite kommt. Spinnseide nutzen auch sie – für Sicherungsfäden, Wohngespinste, Häutungsverstecke und Eikokons.
Spinnen ohne Netz in Deutschland
| Gruppe | Beispiel | Erkennungsmerkmale | Wo |
|---|---|---|---|
| Kräuseljagdspinnen (Zoropsidae) | Nosferatu-Spinne | gesichtsartige Zeichnung auf dem Vorderkörper, geringelte Beine | Gebäude |
| Wolfsspinnen (Lycosidae) | Pardosa, Trochosa, Alopecosa | zwei große hintere Augen; Weibchen trägt Kokon an den Spinnwarzen, später Jungtiere auf dem Rücken | Boden, Wiesen, Ufer |
| Springspinnen (Salticidae) | Zebraspringspinne | klein (3–10 mm), zwei riesige Frontaugen, springt | sonnige Hauswände, Zäune |
| Krabbenspinnen (Thomisidae) | Veränderliche Krabbenspinne | seitwärts gerichtete, krabbenartige Beine; lauert auf Blüten | Blüten, Pflanzen |
| Raubspinnen (Pisauridae) | Listspinne, Gerandete Jagdspinne | schlank, lange Beine; Weibchen tragen Kokon in den Kieferklauen | Wiesen, Gewässerufer |
| Dornfingerspinnen (Cheiracanthiidae) | Ammen-Dornfinger | orange-gelb, dunkle Kieferklauen; baut Brutgespinst in Grasrispen | hohe Wiesen |
| Sackspinnen (Clubionidae) | Clubiona | einfarbig, nachtaktiv, tagsüber in gerollten Blättern | Sträucher, Hauswände |
| Plattbauchspinnen (Gnaphosidae) | Drassodes | dunkel, flach, zylindrische Spinnwarzen | unter Steinen, Kellern |
| Speispinnen (Scytodidae) | Gewöhnliche Speispinne | gewölbter, gefleckter Vorderkörper; fängt Beute mit Klebfäden aus den Kieferklauen | Wohnungen |
Nosferatu-Spinne oder Wolfsspinne?
Die Nosferatu-Spinne wird im Englischen auch „false wolf spider“ genannt – sie sieht Wolfsspinnen ähnlich, gehört aber zu einer anderen Familie. Diese Merkmale helfen bei der Unterscheidung:
| Merkmal | Nosferatu-Spinne | Wolfsspinne | Große Winkelspinne |
|---|---|---|---|
| Vorderkörper | hell mit dunkler, gesichtsartiger Zeichnung | oft dunkel mit hellen Längsbändern | braun mit dunklen Seitenbändern |
| Augen | 8 kleine Augen in zwei Reihen | 2 auffallend große hintere Mittelaugen, reflektieren im Lampenlicht | 8 kleine Augen |
| Beine | kräftig, deutlich geringelt | kräftig, oft geringelt | sehr lang, dicht behaart |
| Netz | keins | keins | Deckennetz mit Wohnröhre |
| Kokon | wird im Versteck bewacht | wird an den Spinnwarzen getragen | im Netz befestigt |
| Glatte Flächen | läuft an Glas hoch | kaum | kaum (sitzt oft in Badewannen fest) |
| Typischer Fundort | Wohnungen, Keller, nachts an Wänden | im Freien am Boden | Keller, Wohnungen, im Herbst umherlaufend |
Faustregel
Eine große Spinne ohne Netz, die nachts an der Wohnzimmerwand oder am Fenster sitzt und eine helle, dunkel gezeichnete „Maske“ auf dem Vorderkörper trägt, ist in Deutschland sehr wahrscheinlich eine Nosferatu-Spinne. Wolfsspinnen kommen nur ausnahmsweise ins Haus.
Große Spinnen ohne Netz im Haus
Im Herbst häufen sich Begegnungen mit großen, frei umherlaufenden Spinnen. Meist handelt es sich um:
- Winkelspinnen-Männchen (Eratigena, Tegenaria), die ihr Netz verlassen haben und Weibchen suchen. Sie haben auffallend lange, behaarte Beine.
- Nosferatu-Spinnen, die nachts jagen und dank Haftbüscheln auch an glatten Wänden und Fenstern laufen. Zu den Bestimmungsmerkmalen
Beide sind für Menschen harmlos. Wer sie nicht im Haus haben möchte, setzt sie mit Glas und Karton nach draußen. So geht es sicher
Wer jagt die Jäger?
Auch netzlose Spinnen haben Fressfeinde. Besonders spezialisiert sind die Wegwespen (Pompilidae), die oft als „Spinnentöter“ bezeichnet werden: Sie lähmen Spinnen mit einem Stich und tragen sie als Nahrung für ihren Nachwuchs in ein Erdnest. Daneben fressen Vögel, Spitzmäuse, Eidechsen und andere Spinnen Jagdspinnen – die Nosferatu-Spinne selbst erbeutet regelmäßig andere Spinnen.
Häufige Fragen
Welche Spinnen in Deutschland bauen kein Netz?
Unter anderem Wolfsspinnen, Springspinnen, Krabbenspinnen, Sack- und Dornfingerspinnen, Plattbauchspinnen, Raub- und Jagdspinnen – und die Nosferatu-Spinne. Sie jagen aktiv oder lauern ihrer Beute auf.
Was ist eine „falsche Wolfsspinne“?
So nennt man im Englischen („false wolf spider“) die Familie Zoropsidae, zu der die Nosferatu-Spinne gehört. Sie sehen Wolfsspinnen ähnlich, sind aber nicht näher mit ihnen verwandt als andere Jagdspinnen.
Ist eine große Spinne ohne Netz im Haus gefährlich?
In Deutschland nicht. Große netzlose Spinnen im Haus sind meist Nosferatu-Spinnen oder umherlaufende Winkelspinnen-Männchen. Beide sind für Menschen ungefährlich.
Weiterlesen
Quellen
- Wikipedia: Nosferatu-Spinne. de.wikipedia.org/wiki/Nosferatu-Spinne (Überblick mit weiterführender Literatur)
- NABU (2022): Nosferatu-Spinne fast überall verbreitet. nabu.de/news/2022/09/nosferatu.html
- Justus-Liebig-Universität Gießen (2025): Die Spinne mit dem Bienengift – Giftanalyse des Ammen-Dornfingers. uni-giessen.de