Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste in Kürze
- Familie: Kräuseljagdspinnen (Zoropsidae), englisch „false wolf spiders“.
- Gattung Zoropsis Simon, 1878, mit 14 Arten; nur Z. spinimana hat sich in Mitteleuropa etabliert.
- Für die Nosferatu-Spinne sind keine Unterarten beschrieben.
- Weibchen bewachen weiße, kugelige Eikokons; in beheizten Gebäuden ist Fortpflanzung fast ganzjährig möglich.
Systematische Einordnung
| Rang | Taxon |
|---|---|
| Klasse | Spinnentiere (Arachnida) |
| Ordnung | Webspinnen (Araneae) |
| Unterordnung | Echte Webspinnen (Araneomorphae) |
| Überfamilie | Wolfspinnenartige (Lycosoidea) |
| Familie | Kräuseljagdspinnen (Zoropsidae Bertkau, 1882) |
| Gattung | Zoropsis Simon, 1878 |
| Art | Zoropsis spinimana (Dufour, 1820) |
Beschrieben wurde die Art 1820 als Dolomedes spinimanus. Die heutige Gattung Zoropsis stellte Eugène Simon 1878 auf. Die Zuordnung zu Familien hat sich in der Spinnensystematik mehrfach geändert; maßgeblich ist heute der World Spider Catalog des Naturhistorischen Museums Bern.
Familie Kräuseljagdspinnen (Zoropsidae)
Die Zoropsidae umfassen weltweit rund 180 beschriebene Arten, vor allem in warmen Regionen. Es sind freilaufende Jäger ohne Fangnetz. Der deutsche Name verweist auf ein Merkmal vieler Arten: Sie besitzen ein Cribellum, ein zusätzliches Spinnfeld, mit dem sie feine, gekräuselte Fangwolle herstellen. Zoropsis nutzt diese Seide vor allem für Wohngespinste und Eikokons.
Äußerlich ähneln Zoropsiden den Wolfsspinnen (Lycosidae) – daher die englische Bezeichnung „false wolf spiders“. Beide Gruppen sind aber unterschiedliche Familien und an Augenstellung, Kokonverhalten und Lebensweise zu unterscheiden.
Die Gattung Zoropsis: alle Arten
| Art | Verbreitung |
|---|---|
| Z. spinimana (Dufour, 1820) | Mittelmeerraum bis Russland; eingeschleppt in Mitteleuropa und den USA |
| Z. media Simon, 1878 | westlicher Mittelmeerraum |
| Z. oertzeni Dahl, 1901 | Italien, Griechenland, Balkan, Türkei |
| Z. lutea (Thorell, 1875) | östlicher Mittelmeerraum, Iran, Ukraine |
| Z. bilineata Dahl, 1901 | Mallorca, Marokko, Algerien (mit Unterart Z. b. viberti, Algerien) |
| Z. rufipes (Lucas, 1838) | Kanarische Inseln, Madeira |
| Z. albertisi Pavesi, 1880 | Tunesien |
| Z. beccarii Caporiacco, 1935 | Türkei |
| Z. thaleri Levy, 2007 | Israel |
| Z. saba Thaler & van Harten, 2006 | Jemen |
| Z. kirghizicus Ovtchinnikov & Zonstein, 2001 | Kirgisistan |
| Z. markamensis Hu & Li, 1987 | China |
| Z. pekingensis Schenkel, 1953 | China |
| Z. coreana Paik, 1978 | Korea |
Die mediterranen Arten Z. media, Z. oertzeni und Z. lutea sehen der Nosferatu-Spinne ähnlich, sind aber meist kleiner oder heller. In Mitteleuropa ist bislang nur Z. spinimana etabliert; wer eine Zoropsis in Deutschland findet, hat es mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit mit ihr zu tun.
Gibt es Unterarten?
Nein. Für Zoropsis spinimana sind keine Unterarten beschrieben. Unterschiede in Färbung und Größe zwischen einzelnen Tieren beruhen auf Alter, Geschlecht, Ernährungszustand und dem Zeitpunkt der letzten Häutung. Die einzige anerkannte Unterart innerhalb der Gattung ist Zoropsis bilineata viberti aus Algerien.
Lebenszyklus, Paarung und Kokon

Die Entwicklung vom Ei bis zum geschlechtsreifen Tier dauert etwa ein Jahr; die Jungspinnen häuten sich dabei acht- bis neunmal. Im Mittelmeerraum werden die Tiere überwiegend im Herbst erwachsen. In beheizten Gebäuden Mitteleuropas verwischt dieser Rhythmus: Hier findet man erwachsene und halbwüchsige Tiere das ganze Jahr.
Paarung
Paarungen wurden in Deutschland von August bis November beobachtet. In dieser Zeit verlassen die Männchen ihre Verstecke und suchen nachts aktiv nach Weibchen – deshalb fallen im Herbst besonders viele Tiere in Wohnungen auf.
Kokon und Brutpflege
Das Weibchen spinnt einen weißen, kugeligen Eikokon aus dichter Seide und legt ihn in einem geschützten Versteck ab – unter Steinen, Rinde oder in Gebäudespalten. Ein Kokon enthält einige Dutzend Eier. Das Weibchen bleibt beim Kokon und bewacht ihn; anders als Wolfsspinnen trägt es ihn nicht mit sich herum. Weibchen können über mindestens sechs Monate mehrere Kokons nacheinander anlegen.
Wie schnell sich der Nachwuchs entwickelt, hängt stark von der Temperatur ab: In Beobachtungen dauerte es bei 10,5 °C rund 66 Tage, bei höheren Temperaturen nur etwa 24 Tage. In warmen Wohnungen sind Kokons deshalb fast ganzjährig zu finden.
Ernährung und Jagd
Die Nosferatu-Spinne jagt nachts frei umherlaufend. Sie überwältigt ihre Beute mit den kräftigen Vorderbeinen und einem Giftbiss. Auf dem Speiseplan stehen vor allem Fliegen, Motten und Mücken, aber auch andere Spinnen – teils sogar größere. Tagsüber ruht sie in einem lockeren Wohngespinst in Spalten und Ritzen.
Verwechslungsarten
Am häufigsten wird die Nosferatu-Spinne mit Wolfsspinnen, großen Winkelspinnen und Jagdspinnen verwechselt. Einen ausführlichen Vergleich mit Tabelle finden Sie im Beitrag Spinnen ohne Netz; die Bestimmungsmerkmale der Nosferatu-Spinne selbst unter Aussehen & Größe.
Häufige Fragen
Gibt es Unterarten der Nosferatu-Spinne?
Nein. Für Zoropsis spinimana sind keine Unterarten beschrieben. Innerhalb der Gattung Zoropsis gibt es nur bei Z. bilineata eine anerkannte Unterart (Z. b. viberti, Algerien).
Wie viele Eier legt die Nosferatu-Spinne?
Ein Eikokon enthält einige Dutzend Eier. Weibchen können über Monate mehrere Kokons nacheinander bauen und bewachen diese im Versteck.
Wie lange lebt die Nosferatu-Spinne?
Die Entwicklung bis zum erwachsenen Tier dauert etwa ein Jahr mit acht bis neun Häutungen. In beheizten Gebäuden werden erwachsene Tiere ganzjährig beobachtet; belastbare Daten zur maximalen Lebensdauer im Freiland fehlen.
Was frisst die Nosferatu-Spinne?
Insekten wie Fliegen, Motten und Mücken, aber auch andere Spinnen – teils sogar größere. In Wohnungen ist sie damit ein natürlicher Gegenspieler anderer Gliederfüßer.
Weiterlesen
Quellen
- World Spider Catalog: Gattung Zoropsis Simon, 1878. Naturhistorisches Museum Bern. wsc.nmbe.ch
- Wirth, A. & Schulemann-Maier, G. (2024): Updated distribution of Zoropsis spinimana (Dufour, 1820; Araneae: Zoropsidae) in Germany and novel insights into its ecology based on a citizen science survey. Frontiers in Arachnid Science 3: 1383339. doi.org/10.3389/frchs.2024.1383339
- Wikipedia: Nosferatu-Spinne. de.wikipedia.org/wiki/Nosferatu-Spinne (Überblick mit weiterführender Literatur)
- Thaler, K. & Knoflach, B. (1998): Zoropsis spinimana (Dufour), eine für Österreich neue Adventivart (Araneae, Zoropsidae). Berichte des naturwissenschaftlich-medizinischen Vereins in Innsbruck 85: 173–185. zobodat.at (PDF)