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Aussehen & Bestimmung

Nosferatu-Spinne erkennen: Aussehen und Größe

Woran man Zoropsis spinimana sicher erkennt – von der namensgebenden Zeichnung über Größe und Beinbau bis zum Unterschied zwischen Männchen und Weibchen.

Inhaltsverzeichnis
  1. Größe der Nosferatu-Spinne
  2. Färbung und das „Nosferatu-Gesicht“
  3. Beine und Haftbüschel
  4. Männchen und Weibchen unterscheiden
  5. Augen und Kieferklauen
  6. Jungtiere
  7. Netz und Verhalten
  8. Schnell-Check zur Bestimmung
  9. Häufige Fragen
  10. Weiterlesen
  11. Quellen

Das Wichtigste in Kürze

  • Weibchen 15–19 mm, Männchen 10–13 mm Körperlänge; Beinspannweite bis etwa 5–6 cm.
  • Das „Nosferatu-Gesicht“ liegt auf dem Vorderkörper: heller Grund, dunkle symmetrische Flecken, helles Augenfeld.
  • Beine gelblich-grau mit dunklen Ringen; Haftbüschel an den Füßen ermöglichen das Laufen an Glas.
  • Männchen erkennt man an den verdickten Tastern (Bulben).

Größe der Nosferatu-Spinne

Die Nosferatu-Spinne zählt zu den größten Spinnen, die in Mitteleuropa regelmäßig in Wohnungen vorkommen. Ausgewachsene Weibchen erreichen 15 bis 19 mm Körperlänge, Männchen 10 bis 13 mm. Mit ausgestreckten Beinen kommen große Tiere auf eine Spannweite von rund 5 bis 6 cm. Angaben von über 7 cm, die gelegentlich kursieren, sind nicht belegt.

Größenvergleich häufig verwechselter Spinnen (Körperlänge erwachsener Weibchen, gerundet)
ArtKörperlängeTypisches Merkmal
Nosferatu-Spinne (Zoropsis spinimana)15–19 mmGesichtszeichnung auf dem Vorderkörper, kein Netz
Große Winkelspinne (Eratigena atrica)11–18 mmsehr lange, behaarte Beine; Trichter- bzw. Deckennetz
Wolfsspinnen (z. B. Trochosa, Pardosa)5–15 mmträgt Eikokon an den Spinnwarzen, meist im Freien
Gerandete Jagdspinne (Dolomedes fimbriatus)13–22 mmhelle Seitenbänder, an Gewässern
Große Zitterspinne (Pholcus phalangioides)7–10 mmextrem dünne, lange Beine, lockeres Netz an der Decke

Färbung und das „Nosferatu-Gesicht“

Nosferatu-Spinne (Zoropsis spinimana) von oben: heller Vorderkörper mit dunkler, gesichtsartiger Zeichnung, graubrauner Hinterleib
Weibchen von Zoropsis spinimana in Aufsicht. Die namensgebende Zeichnung liegt auf dem Vorderkörper (Prosoma).Foto: Holger Krisp, Wikimedia Commons, CC BY 3.0

Namensgebend ist die Zeichnung des Vorderkörpers (Prosoma): Auf gelblich-weißem bis hellbeigem Grund liegen ausgedehnte schwarze, spiegelsymmetrische Flecken, die das hell bleibende Augenfeld einrahmen. Mit etwas Fantasie entsteht der Eindruck eines bleichen Kopfes mit dunklen Augenhöhlen – wie beim Vampir Graf Orlok aus Murnaus Film „Nosferatu“ (1922).

Der Hinterleib (Opisthosoma) ist vorn gelblich-weiß und nach hinten grau bis braun. In der Mitte verläuft ein dunkler Längsstreifen (Herzmal), seitlich liegen meist je drei dunkle Flecken. Die Färbung variiert je nach Individuum und Alter; frisch gehäutete Tiere wirken heller.

Häufiger Irrtum

In vielen Artikeln wird das „Gesicht“ auf dem Hinterleib verortet. Das ist falsch – das Muster befindet sich auf dem Kopf-Brust-Stück, also dem vorderen Körperabschnitt, an dem auch die Beine ansetzen.

Beine und Haftbüschel

Die kräftigen Beine sind gelblich-grau, manchmal dunkler, und deutlich schwarz geringelt. Sie tragen auffällige Stacheln – darauf bezieht sich der Artname spinimana („Dornhand“). An den Fußspitzen sitzen dichte Haftbüschel (Scopulae) aus feinsten Härchen. Mit ihnen kann die Spinne an senkrechten, glatten Flächen wie Fensterscheiben, Fliesen oder Glasvitrinen laufen.

Das ist ein guter Hinweis zur Unterscheidung von Winkelspinnen, die an glatten Flächen kaum Halt finden und deshalb oft in Badewannen festsitzen. Als alleiniges Merkmal reicht es allerdings nicht: Auch Springspinnen, Sackspinnen und andere Jagdspinnen besitzen solche Haftbüschel.

Männchen und Weibchen unterscheiden

Männchen der Nosferatu-Spinne mit deutlich verdickten Tastern (Pedipalpen)
Männchen: Die verdickten Taster (Bulben) sind das sicherste Geschlechtsmerkmal.Foto: Francesca Grossi, Wikimedia Commons, CC BY 4.0
MerkmalWeibchenMännchen
Körperlänge15–19 mm10–13 mm
Taster (Pedipalpen)schlank, beinartigEnden zu dunklen Bulben verdickt
Hinterleibgroß, rundlich-ovalschmaler
Beineim Verhältnis kürzerim Verhältnis länger
Verhalteneher ortstreu, bewacht Kokonswandert im Herbst auf Partnersuche

Die Tasterbulben sind nur bei geschlechtsreifen Männchen ausgebildet. Jungtiere beider Geschlechter haben schlanke Taster und lassen sich ohne Lupe kaum unterscheiden. In der NABU-Meldeaktion 2022 waren die bestimmbaren Tiere fast genau zur Hälfte Männchen (51 %) und Weibchen (49 %).

Augen und Kieferklauen

Wie die meisten Spinnen besitzt Zoropsis spinimana acht Augen in zwei Reihen. Sie liegen auf dem hellen Augenfeld und sind ohne Vergrößerung kaum einzeln zu erkennen. Wolfsspinnen fallen dagegen durch zwei auffallend große hintere Mittelaugen auf, die im Taschenlampenlicht grünlich reflektieren.

Die Kieferklauen (Cheliceren) sind kräftig und dunkel. Sie sind der Grund, warum die Nosferatu-Spinne – anders als die meisten heimischen Arten – die menschliche Haut durchdringen kann.

Jungtiere

Frisch geschlüpfte Jungspinnen sind nur wenige Millimeter groß und blasser gefärbt. Bis zur Geschlechtsreife häuten sie sich acht- bis neunmal. Schon mittelgroße Jungtiere zeigen die typische Zeichnung von Vorderkörper und Beinen, sodass sie mit etwas Übung bestimmbar sind. Mehr zum Lebenszyklus lesen Sie im Beitrag Systematik & Lebensweise.

Netz und Verhalten

Die Nosferatu-Spinne baut kein Fangnetz. Tagsüber sitzt sie in einem lockeren Wohngespinst in Spalten, nachts jagt sie frei umherlaufend. Wer an Zimmerdecken oder in Ecken ein Netz findet, hat es meist mit Zitter-, Winkel- oder Kugelspinnen zu tun. Springen kann die Nosferatu-Spinne nicht; sie flüchtet bei Störung durch schnelles Weglaufen.

Schnell-Check zur Bestimmung

  1. Vorderkörper prüfenHeller Grund mit dunkler, symmetrischer Zeichnung, die an ein Gesicht erinnert? Das ist das wichtigste Merkmal.
  2. Beine ansehenKräftig, gelblich-grau mit deutlichen dunklen Ringen und Stacheln?
  3. Größe schätzenKörper deutlich über 1 cm, aber ohne die extrem langen Beine einer Winkelspinne?
  4. Umgebung beachtenLäuft frei umher, ohne Netz, oft nachts an Wänden oder Fenstern?

Treffen alle Punkte zu, ist eine Nosferatu-Spinne sehr wahrscheinlich. Für eine sichere Bestimmung laden Sie ein scharfes Foto von oben bei NABU|naturgucker oder iNaturalist hoch – dort prüfen erfahrene Bestimmerinnen und Bestimmer die Meldungen.

Nicht anfassen

Zum Betrachten die Spinne mit Glas und Karton einfangen. Mit bloßer Hand gegriffen, kann sie zubeißen. Anleitung zum sicheren Fangen

Häufige Fragen

Wie unterscheidet man Männchen und Weibchen?

Am sichersten an den Tastern (Pedipalpen) vorn am Kopf: Bei erwachsenen Männchen sind die Enden zu dunklen, kolbenartigen Bulben verdickt. Weibchen haben schlanke Taster, sind größer und haben einen deutlich voluminöseren Hinterleib.

Wo genau ist das „Nosferatu-Gesicht“?

Auf dem Vorderkörper (Prosoma), nicht auf dem Hinterleib. Ein helles Augenfeld und dunkle, symmetrische Flecken auf gelblich-weißem Grund ergeben das gesichtsartige Muster.

Kann ich die Nosferatu-Spinne mit einer Wolfsspinne verwechseln?

Ja, der Körperbau ist ähnlich. Wolfsspinnen tragen ihren Eikokon jedoch an den Spinnwarzen mit sich herum, haben zwei auffallend große hintere Mittelaugen und laufen in Deutschland meist am Boden im Freien. Direkter Vergleich

Wie groß ist ein Jungtier?

Frisch geschlüpfte Jungspinnen sind nur wenige Millimeter groß. Sie häuten sich bis zur Geschlechtsreife acht- bis neunmal und ähneln mit zunehmender Größe immer stärker den erwachsenen Tieren.

Weiterlesen

Quellen

  1. Wikipedia: Nosferatu-Spinne. de.wikipedia.org/wiki/Nosferatu-Spinne (Überblick mit weiterführender Literatur)
  2. NABU (2022): Nosferatu-Spinne fast überall verbreitet. nabu.de/news/2022/09/nosferatu.html
  3. Wirth, A. & Schulemann-Maier, G. (2024): Updated distribution of Zoropsis spinimana (Dufour, 1820; Araneae: Zoropsidae) in Germany and novel insights into its ecology based on a citizen science survey. Frontiers in Arachnid Science 3: 1383339. doi.org/10.3389/frchs.2024.1383339