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Giftige Spinnen weltweit

Giftige Spinnen weltweit – ein Überblick nach Regionen

Von rund 52.000 bekannten Spinnenarten sind nur wenige Gattungen medizinisch bedeutsam. Welche das sind, wo sie vorkommen und was nach einem Biss zu tun ist.

Inhaltsverzeichnis
  1. Wie gefährlich sind Spinnen wirklich?
  2. Die medizinisch bedeutsamen Gruppen
  3. Giftige Spinnen nach Regionen
  4. Biss einer Braunen Einsiedlerspinne: was tun?
  5. Reisen: Bisse vermeiden und richtig reagieren
  6. Kamelspinne, Walzenspinne und andere Verwechslungen
  7. Häufige Fragen
  8. Weiterlesen
  9. Quellen

Das Wichtigste in Kürze

  • Nur wenige Gattungen sind medizinisch bedeutsam: Witwen (Latrodectus), Einsiedlerspinnen (Loxosceles), Bananenspinnen (Phoneutria) und australische Trichternetzspinnen (Atrax, Hadronyche).
  • Selbst bei diesen Arten verlaufen die meisten Bisse mild. Für mehrere gibt es wirksame Gegengifte; Todesfälle sind sehr selten geworden.
  • In Deutschland gibt es keine lebensgefährlichen Spinnen.
  • Kamel- bzw. Walzenspinnen sind keine echten Spinnen und haben kein Gift.

Wie gefährlich sind Spinnen wirklich?

Der World Spider Catalog verzeichnet inzwischen über 52.000 Spinnenarten. Fast alle besitzen Gift, doch nur ein sehr kleiner Teil kann Menschen ernsthaft schaden. Dafür müssen zwei Bedingungen zusammenkommen: Die Kieferklauen müssen die Haut durchdringen, und das Gift muss auf Säugetiere stark wirken. Fachleute schätzen, dass weltweit nur einige Dutzend Arten diese Kriterien erfüllen – und dass Spinnenbisse oft überschätzt und mit anderen Ursachen verwechselt werden.

Die medizinisch bedeutsamen Gruppen

Witwen (Latrodectus)

Witwen kommen in warmen Regionen aller Kontinente vor. Ihr Nervengift (α-Latrotoxin) kann das Krankheitsbild des Latrodektismus auslösen: starke, sich ausbreitende Schmerzen, Muskelkrämpfe (auch der Bauchmuskulatur), Schweißausbrüche, Übelkeit, Blutdruckanstieg. Die Beschwerden halten oft ein bis mehrere Tage an. Todesfälle sind heute extrem selten; in einigen Ländern stehen Gegengifte zur Verfügung.

Einsiedlerspinnen (Loxosceles)

Einsiedlerspinnen leben versteckt in Ritzen, Kartons und Schränken. Ihr Gift kann eine örtliche Gewebeschädigung (nekrotischer Loxoscelismus) verursachen: Nach einem anfangs oft kaum schmerzhaften Biss bildet sich über Stunden bis Tage ein bläulich-roter Bezirk, manchmal mit Blase und anschließend schlecht heilender Wunde. Selten kommt es – vor allem nach Bissen der südamerikanischen Loxosceles laeta – zu einer Allgemeinreaktion mit Zerfall roter Blutkörperchen. Die meisten Bisse heilen jedoch ohne Komplikationen.

Bananen- oder Kammspinnen (Phoneutria)

Die Brasilianische Wanderspinne und ihre Verwandten leben in Süd- und Mittelamerika. Ihr Nervengift verursacht sofort sehr starke, ausstrahlende Schmerzen, Schwitzen und Herzrasen. Schwere Verläufe betreffen fast nur kleine Kinder; in Brasilien ist ein Gegengift verfügbar. Gelegentlich gelangen Tiere mit Bananenlieferungen nach Europa.

Australische Trichternetzspinnen (Atrax, Hadronyche)

Die Sydney-Trichternetzspinne (Atrax robustus) gilt als eine der gefährlichsten Spinnen der Welt. Ihr Gift kann innerhalb kurzer Zeit schwere Vergiftungen verursachen. Seit der Einführung eines Gegengifts 1981 ist in Australien jedoch kein Todesfall mehr dokumentiert.

Giftige Spinnen nach Regionen

RegionMedizinisch bedeutsame ArtenBedeutung
Mitteleuropa, Deutschlandkeine; stärkste Reaktionen: Ammen-Dornfingergering
Mittelmeerraum, TürkeiEuropäische Schwarze Witwe (L. tredecimguttatus), Mittelmeer-Einsiedlerspinne (Loxosceles rufescens)selten, behandelbar
NordamerikaSchwarze Witwen (L. mactans, L. hesperus), Braune Einsiedlerspinne (Loxosceles reclusa)selten, behandelbar
SüdamerikaBananenspinnen (Phoneutria), Chilenische Einsiedlerspinne (Loxosceles laeta), Witwenrelevant
AfrikaWitwen (u. a. L. indistinctus, Braune Witwe L. geometricus), Einsiedlerspinnenselten, behandelbar
AsienWitwen (z. B. L. tredecimguttatus in Zentralasien, eingeschleppte L. hasselti in Japan), regional Einsiedlerspinnenselten
AustralienTrichternetzspinnen (Atrax, Hadronyche), Rotrückenspinne (L. hasselti)relevant, Gegengifte verfügbar

Afrikanische Spinnen

In Afrika sind vor allem Witwen und Einsiedlerspinnen medizinisch relevant. Die oft genannte Sechsäugige Sandspinne (Sicarius) besitzt zwar ein im Labor sehr wirksames Gift, gesicherte Bisse beim Menschen sind aber kaum dokumentiert. Die großen afrikanischen Vogelspinnen („Baboon spiders“) können schmerzhaft beißen, sind aber nicht lebensgefährlich.

Asien

Aus Asien sind vergleichsweise wenige schwere Spinnenvergiftungen bekannt. Witwen kommen von der Türkei bis Zentralasien vor; in Japan hat sich die australische Rotrückenspinne angesiedelt. Bisse großer asiatischer Vogelspinnen sind schmerzhaft, verlaufen aber in der Regel ohne bleibende Folgen.

Biss einer Braunen Einsiedlerspinne: was tun?

  1. Reinigen und kühlenBissstelle mit Wasser und Seife säubern, mit einem in ein Tuch gewickelten Kühlpack kühlen.
  2. Ruhig haltenBetroffenen Arm oder betroffenes Bein ruhig und leicht erhöht lagern.
  3. Ärztliche HilfeEine ärztliche Untersuchung ist sinnvoll, um den Verlauf zu beurteilen. Die Behandlung erfolgt meist symptomatisch mit Wundversorgung; Operationen in der Frühphase werden nicht empfohlen.
  4. BeobachtenDie Stelle über mehrere Tage kontrollieren. Bei dunkler Verfärbung, Blasenbildung, Fieber, dunklem Urin oder Gelbfärbung der Haut sofort ärztlich vorstellen.

Nicht aussaugen, ausschneiden, abbinden oder mit Hitze behandeln. In Deutschland ist ein solcher Biss praktisch ausgeschlossen – eine dunkle, schlecht heilende Hautstelle hat hierzulande fast immer eine andere Ursache, häufig eine bakterielle Infektion.

Reisen: Bisse vermeiden und richtig reagieren

  • Schuhe, Kleidung und Handtücher vor der Benutzung ausschütteln, besonders in Ferienhäusern und beim Camping.
  • Nicht ohne Sicht in Holzstapel, Steinhaufen, Erdlöcher oder Kisten greifen; bei Gartenarbeit Handschuhe tragen.
  • Betten etwas von der Wand abrücken, Bettzeug nicht auf dem Boden liegen lassen.
  • Nach einem Biss: Foto der Spinne machen, Stelle reinigen und kühlen, bei starken Schmerzen, Krämpfen, Schweißausbrüchen oder sich verschlechternder Wunde örtliche ärztliche Hilfe suchen.
  • Länderspezifische Erste-Hilfe-Regeln beachten: In Australien wird bei Trichternetzspinnen-Bissen ein Druckverband mit Ruhigstellung empfohlen, bei der Rotrückenspinne dagegen nur Kühlen.

Kamelspinne, Walzenspinne und andere Verwechslungen

Kamel- oder Walzenspinnen (Solifugae) leben in Wüsten und Trockengebieten, etwa in Nordafrika, im Nahen Osten und in Südosteuropa. Sie sind Spinnentiere, aber keine Webspinnen, und besitzen keine Giftdrüsen. Mit ihren großen, scherenartigen Kieferzangen können sie jedoch schmerzhafte, blutende Wunden verursachen. Eine solche Wunde gründlich reinigen, desinfizieren und beobachten – bei Rötung, Schwellung oder Eiter ärztlich behandeln lassen, gegebenenfalls auch den Tetanusschutz prüfen.

Vogelspinnen sind trotz ihrer Größe für Menschen kaum gefährlich. Amerikanische Arten besitzen jedoch Brennhaare, die sie bei Bedrohung abstreifen; diese reizen Haut und vor allem die Augen.

Häufige Fragen

Welche Spinnen sind für Menschen wirklich gefährlich?

Medizinisch bedeutsam sind vor allem die Witwen (Latrodectus), die Einsiedlerspinnen (Loxosceles), die Bananen- bzw. Kammspinnen (Phoneutria) und die australischen Trichternetzspinnen (Atrax, Hadronyche). Todesfälle sind dank moderner Medizin sehr selten geworden.

Was tun nach dem Biss einer Braunen Einsiedlerspinne?

Ruhe bewahren, die Stelle säubern und kühlen, betroffene Gliedmaße ruhig halten und ärztliche Hilfe aufsuchen. Die meisten Bisse heilen ohne Folgen; selten entsteht über Tage eine schlecht heilende Hautwunde, die ärztlich behandelt werden muss. Keine Wunde ausschneiden oder aussaugen.

Gibt es in der Türkei oder am Mittelmeer giftige Spinnen?

Ja. Dort kommen die Europäische Schwarze Witwe (Latrodectus tredecimguttatus) und die Mittelmeer-Einsiedlerspinne (Loxosceles rufescens) vor. Bisse sind selten; bei starken Schmerzen, Muskelkrämpfen, Schweißausbrüchen oder einer sich verschlechternden Wunde sollte man vor Ort ärztliche Hilfe suchen.

Ist die Kamelspinne giftig?

Nein. Kamel- oder Walzenspinnen (Solifugae) sind keine echten Spinnen und besitzen keine Giftdrüsen. Ihre kräftigen Kieferzangen können aber schmerzhafte Wunden verursachen, die sich entzünden können – deshalb gründlich reinigen und beobachten.

Gibt es in Deutschland giftige Spinnen?

Giftig ja, gefährlich nein. Kaum eine heimische Art kann die menschliche Haut durchdringen. Die stärksten Reaktionen verursacht der Ammen-Dornfinger – schmerzhaft, aber für gesunde Erwachsene nicht lebensbedrohlich.

Weiterlesen

Quellen

  1. Isbister, G. K. & Fan, H. W. (2011): Spider bite. The Lancet 378: 2039–2047. doi.org/10.1016/S0140-6736(10)62230-1
  2. Vetter, R. S. & Isbister, G. K. (2008): Medical aspects of spider bites. Annual Review of Entomology 53: 409–429. doi.org/10.1146/annurev.ento.53.103106.093503
  3. Hauke, T. J. & Herzig, V. (2017): Dangerous arachnids – Fake news or reality? Toxicon 138: 173–183. doi.org/10.1016/j.toxicon.2017.08.024
  4. Punzo, F. (1998): The Biology of Camel-Spiders (Arachnida, Solifugae). Kluwer Academic Publishers, Boston.
  5. World Spider Catalog: Gattung Zoropsis Simon, 1878. Naturhistorisches Museum Bern. wsc.nmbe.ch

Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Untersuchung oder Beratung. Bei Bissen im Ausland gelten die Empfehlungen der örtlichen Gesundheitsbehörden.